Was Geldanleger wissen müssen

Corona-Schulden

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Die Corona-Krise trifft viele Unternehmen hart. Finanzielle Förderprogramme versuchen die Folgen abzumildern. Doch die sind teuer und treiben die Verschuldung in Deutschland und in der EU auf Rekordniveau. An die Milliardenbeträge hatte man sich bereits gewöhnt. Nun werden die Billionengrenzen durchbrochen. Um welche Summen geht es dabei genau? Und was bedeutet das für Geldanleger?

Verschuldung in Deutschland

Ende Juni stieg die Staatsverschuldung in Deutschland auf 2.109 Mrd. Euro. Ende 2019 betrug sie noch 1.890 Mrd. Euro. Daran hat der Bund einen Anteil von 63 %, die Länder 31 % und die Gemeinden 6 %. Der Anstieg von 220 Mrd. ist Corona-bedingt. Für 2021 sind weitere 96 Mrd. Euro im Bundeshaushalt veranschlagt. Die Schuldenbremse von 80 Prozent der Wirtschaftsleistung ist außer Kraft gesetzt.
Doch Risiken bestehen nicht nur in der Verschuldung, sondern auch bei möglichen Forderungsausfällen. So liegen die Target 2-Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber den anderen EU-Zentralbanken bzw. der EZB bereits bei über 1,1 Billionen Euro. Das sind im Prinzip Überziehungskredite im EU-Interbanken-Clearing, die nach Meinung von Experten wie Prof. Werner Sinn wohl nur schwer wieder eingefordert werden können. Dazu gibt es jedoch auch Gegenmeinungen.

EU-Verschuldung

Mit dem im Mai verabschiedeten EU-Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd. Euro ist die EU erstmals befugt, eigene Schulden aufzunehmen. 390 Mrd. Euro davon fließen als Zuschüsse (Geschenke), 310 Mrd. Euro als Kredite. Italien und Spanien erhalten aus dem neuen Topf das meiste Geld. Alle EU-Länder haften dafür in Höhe ihres Anteils am EU-Haushalt. Das deutsche Risiko beträgt demnach 202,5 Mrd. Euro (27 % Anteil). Der Weg in die Fiskalunion, im Moment noch nicht vom Deutschen Bundestag verabschiedet, ist damit für einige Kritiker geebnet. Viele befürchten, dass es nicht bei den bisherigen 750 Mrd. Euro bleiben wird.

Die Finanzierung erfolgt am Kapitalmarkt bzw. über die EZB im Rahmen des Anleihekaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme). Das Volumen betrug seit März 2020 zunächst 750 Mrd. Euro. Im Juni wurde es um 600 Mrd. Euro aufgestockt. Weitere 500 Mrd. Euro sollen im Dezember folgen. Anleihekäufe erfolgen überwiegend durch Geldschöpfung der EZB. Geld wird dabei nicht mehr gedruckt, sondern einfach den Konten gutgeschrieben.

Steigende Geldmenge

Vor dem Hintergrund dieser EZB-Geldpolitik ist die Geldmenge M3 im Juli 2020 auf über 14 Billionen Euro gestiegen, gegenüber 12 Billionen Euro im Oktober 2019. Aktuell dürfte M3 noch höher liegen. Diese zentrale geldpolitische Steuerungsgröße setzt sich zusammen aus Sichteinlagen, Bargeld, Termin-/Spareinlagen und kurzfristige Anleihen.

Inflationsgefahr

Eine steigende Geldmenge birgt traditionell die Gefahr von Preissteigerungen. Inflationäre Tendenzen sind bisher aber nur in Sachwerten wie Immobilien, Aktien und Gold zu beobachten. Die offizielle Inflationsrate in Deutschland liegt nach Angaben vom Statistischen Bundesamt dagegen im September sogar bei -0,2 %. Das ganze Geld liegt bei den Menschen und den Unternehmen auf den Konten. Die Konsum- und Investitionsneigung ist in der aktuellen Corona-Krise gering. Die Sparquote ist im 2. Quartal 2020 auf über 20 % gestiegen (normal ist 10 %). Auch die Bruttoinvestitionen sind im 2. Quartal gering. Sie liegen mit 160 Mrd. Euro über 10 % unter dem Vorjahreswert. Das Geld wird also gehortet und liegt in der klassischen Liquiditäts- und Investitionsfalle fest.

Falls die Stimmung durch eine Corona-Besserung drehen sollte, kann die Inflation durch eine Geldflutung der Gütermärkte jedoch schnell steigen. Für die verschuldeten EU-Länder und die EU selbst wäre eine Inflation vielleicht sogar eine willkommene Möglichkeit, durch die Geldentwertung Schritt für Schritt von den hohen Schulden herunterzukommen.

Geldanlagestrategie

Eine Investition in Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Aktienfonds ist daher nach wie vor zu empfehlen, auch weil das Zinsniveau wohl noch auf Jahre so niedrig wie bisher bleiben soll. Mit Sachwerten sind Sie auch für einen ggfs. schlechten wirtschaftlichen Verlauf nach den bisherigen Erfahrungen relativ gut gewappnet.

Wenn Sie mit unseren Anlageexperten die Szenarien und Ihre individuellen Strategien klären möchten, sprechen Sie uns bitte an. Wir beraten Sie gerne.

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